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Vintners Surf Classic: Wenn südafrikanische Winzer Wein und Surfbrett tauschen


Es gibt Termine, die schreibt man irgendwann in den Kalender.

Und es gibt Termine, die stehen dort offenbar schon, bevor man überhaupt weiß, was das neue Jahr sonst noch so vorhat. 

Das Vintners Surf Classic gehört für eine kleine, ziemlich eingeschworene Gruppe der südafrikanischen Weinwelt eindeutig zur zweiten Kategorie. Einmal im Jahr werden Rebschere, Verkostungsglas und Laptop gegen Surfbrett und Neoprenanzug getauscht. Dann trifft sich die surfende Fraktion der südafrikanischen Weinbranche an der Küste bei Jongensfontein nahe Stilbaai, um gemeinsam aufs Wasser zu gehen, alte Freundschaften zu pflegen und natürlich auch ein wenig darum zu kämpfen, wer auf den Wellen die beste Figur macht. 

2026 fand das Vintners Surf Classic bereits zum 26. Mal statt. Die Geschichte des Events reicht bis ins Jahr 2000 zurück. Was normalerweise ein ausgelassener Tag zwischen Wein, Wellen und Freunden ist, nahm in diesem Jahr allerdings eine tragische Wendung.

Von zwölf Winzern zu einem festen Termin der südafrikanischen Weinwelt

 Die Idee hinter dem Vintners Surf Classic

Die Geschichte des Vintners Surf Classic begann im Jahr 2000 mit gerade einmal zwölf Teilnehmern. Die Grundidee war denkbar einfach: In der Weinbranche gab und gibt es jede Menge Golfturniere. Warum also nicht ein eigenes Event für diejenigen veranstalten, die ihre Freizeit lieber auf einem Surfbrett verbringen? 

Gesagt, getan.

 Aus einem kleinen Treffen wurde über die Jahre eine feste Institution. Der ursprüngliche Austragungsort war Onrus bei Hermanus. Später wurden verschiedene Surfspots ausprobiert, bevor sich die Veranstaltung schließlich rund um Stilbaai und Jongensfontein etablierte. 

Schon ältere Berichte über das Vintners Surf Classic beschreiben genau das, was dieses Event bis heute besonders macht: Es geht zwar um einen Surf-Wettbewerb, im Mittelpunkt stehen aber mindestens genauso sehr Freundschaft, gutes Essen, Wein und das Zusammensein. Und so gehört der Termin für viele Teilnehmer längst zu den ersten Einträgen im Kalender. 

Weinmacher statt Golfer 

Die Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen Bereichen der südafrikanischen Weinbranche. Winzer, Kellermeister, Weinmacher und andere Menschen aus der Branche treffen hier aufeinander. 

Viele kennen sich seit Jahrzehnten. 

Manche arbeiten miteinander, manche konkurrieren miteinander – und manche stehen sich beim Vintners Surf Classic plötzlich auf demselben Surfbrett gegenüber.

 Das macht den besonderen Charakter dieses Events aus. 

Denn für einen Tag geht es nicht um Bewertungen, Absatzmengen oder die Frage, welcher Jahrgang besser gelungen ist. 

Es geht um Wellen. 

Und um Wein. 

Big Red: Wenn südafrikanische Winzer gemeinsam Wein machen

 Fünf Liter von jedem Teilnehmer 

Eine Tradition des Vintners Surf Classic gefällt uns besonders gut. Wer teilnimmt, bringt Wein mit. Traditionell sind es fünf Liter, die anschließend zusammengeführt und zu einer gemeinsamen Cuvée verarbeitet werden. 

Dieser Wein trägt den Namen Big Red und gehört inzwischen genauso zum Vintners Surf Classic wie die Surfbretter und der Strand.

 Aus den unterschiedlichen Weinen entsteht also tatsächlich ein gemeinsamer Wein der südafrikanischen Winzer-Community. Man muss dabei vielleicht nicht zwingend davon ausgehen, dass auf diese Weise der größte Wein entsteht, den Südafrika jemals hervorgebracht hat. 

Aber darum geht es überhaupt nicht. 

Der Wein steht für Gemeinschaft. 

Und für einen guten Zweck. 

Big Red für einen guten Zweck 

Der gemeinsame Wein wird in großen 1,5-Liter-Magnums abgefüllt. Ein Teil wird an Teilnehmer und Unterstützer weitergegeben, weitere Flaschen werden für Fundraising und Auktionen verwendet.

Das Konzept hat eine lange Tradition. Bereits frühere Ausgaben des Vintners Surf Classic nutzten den gemeinsamen Wein zur Unterstützung wohltätiger Projekte.

Heute ist Surf4Life eng mit dem Event verbunden. Die Organisation setzt sich dafür ein, Kindern und Jugendlichen Zugang zum Surfen und zu den damit verbundenen Möglichkeiten zu ermöglichen – insbesondere dort, wo Familien sich diesen Sport nicht ohne Weiteres leisten können.

Damit verbindet der Vintners Surf Classic seine beiden großen Leidenschaften auf eine ziemlich schöne Art: Wein und Surfen werden zu einer gemeinsamen Sache, mit der gleichzeitig etwas zurückgegeben wird. 

2026: Ein fröhlicher Tag am Strand wurde plötzlich still

Normalerweise wäre an dieser Stelle vermutlich einiges über Wellen, Surfbedingungen, Sieger und die Geschichten des anschließenden Abends zu erzählen. 2026 kam es anders. 

Der Tod von Thys Lombard 

Während des Surf-Wettbewerbs in Jongensfontein verlor Thys Lombard im Wasser das Bewusstsein. Seine Freunde und andere Surfer reagierten sofort, brachten ihn an Land und begannen mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Auch die Rettungsdienste wurden alarmiert. Trotz aller Bemühungen konnte sein Leben nicht gerettet werden.

Thys Lombard starb am 14. August 2026 im Alter von 61 Jahren. Die Nachricht traf die Vintners-Gemeinschaft besonders hart. Denn Thys war nicht einfach irgendein Teilnehmer. Er war Fotograf, Surfer und ein langjähriger Teil der südafrikanischen Wein- und Sportwelt.

 Als Fotograf dokumentierte er über viele Jahre Sportveranstaltungen, insbesondere Schulrugby, und war gleichzeitig eng mit der Surf- und Weinszene verbunden. Auch das Vintners Surf Classic begleitete er über viele Jahre.

Das Vintners Surf Classic wurde abgebrochen 

Nach dem Tod von Thys Lombard wurde der Wettbewerb beendet. Aus einem Tag, an dem eigentlich gelacht, gesurft und gefeiert werden sollte, wurde ein Tag der Trauer. 

Und trotzdem zeigte sich gerade in diesem Moment, was diese Gemeinschaft über die Jahre so besonders gemacht hat. Am nächsten Morgen kehrten die Surfer noch einmal gemeinsam zum Wasser zurück. Diesmal nicht für einen Wettbewerb. 

Ein Paddle-out für Thys Lombard

Abschied auf dem Wasser

Surfer verabschieden sich von einem verstorbenen Mitglied ihrer Gemeinschaft traditionell häufig mit einem sogenannten Paddle-out. Gemeinsam paddeln sie hinaus aufs Meer, sitzen auf ihren Brettern, bilden einen Kreis und nehmen sich einen Moment Zeit, um sich zu erinnern und Abschied zu nehmen. 

Genau das taten auch die Teilnehmer des Vintners Surf Classic nach dem Tod von Thys Lombard. 

Sie paddelten gemeinsam hinaus. 

Ein stiller Abschied auf dem Wasser, das Thys so sehr geliebt hatte. 

Und vielleicht gibt es kaum eine passendere Form des Abschieds für jemanden, der über viele Jahre Wein, Sport, Fotografie und Surfen miteinander verbunden hat. 

Wein und Konkurrenz – und was wirklich zählt 

Wir kennen viele Menschen aus dieser südafrikanischen Weinwelt seit Jahren oder Jahrzehnten. Wir kaufen ihre Weine, sitzen mit ihnen am Tisch, diskutieren über neue Jahrgänge und Preise, besuchen ihre Weingüter und erzählen anschließend unseren Kunden davon. 

Natürlich gibt es Konkurrenz. Es geht um Aufmerksamkeit, Bewertungen, Kunden und am Ende auch darum, Wein zu verkaufen. Das gehört zum Geschäft.

Umso schöner ist es zu sehen, wie wenig davon übrigbleibt, wenn es wirklich darauf ankommt. Beim Vintners Surf Classic sind sie für einen Tag nicht in erster Linie konkurrierende Winzer, Weingüter oder Marken. Sie sind eine Gruppe von Menschen, die seit vielen Jahren zwei Leidenschaften miteinander verbindet: 

Wein und Surfen.

Und 2026 vor allem die Erinnerung an einen Freund. 

Und acht Tage später: Die Winzer treffen die Springboks 

Von Jongensfontein nach Johannesburg 

Das Leben geht manchmal auf ziemlich südafrikanische Art weiter. Nur acht Tage nach dem Vintners Surf Classic saßen rund 40 Mitglieder der Cape Winemakers Guild gemeinsam im Flugzeug beziehungsweise waren auf dem Weg nach Johannesburg.

 Alle im grünen Springbok-Trikot. 

Ihr Ziel: Ellis Park und das erste Spiel der neuen Serie zwischen Südafrika und Neuseeland. 

Die „Springboks der Weinbranche“ machten dabei einen Zwischenstopp in Boksburg – stilecht in grünen Trikots und mit einem Glas Brandy & Coke statt Wein im Glas. 

Springboks gegen All Blacks: 16:33 

Das Spiel am 22. August 2026 endete allerdings anders, als es sich die südafrikanischen Winzer vermutlich gewünscht hatten. Die All Blacks gewannen in Ellis Park mit 33:16 gegen die Springboks. Südafrika führte zur Halbzeit noch mit 13:12, musste sich aber nach einer starken zweiten Hälfte der Neuseeländer deutlich geschlagen geben.

 Zwei Geschichten, die viel über Südafrikas Weinwelt erzählen 

Uns gefallen beide Geschichten. Die von rund 40 Winzern, die gemeinsam im Springbok-Trikot nach Johannesburg reisen, Wein gegen Brandy & Coke tauschen und ihre Nationalmannschaft unterstützen.

 Und die von einer Gruppe Surfer, die am Morgen nach einem furchtbaren Tag noch einmal gemeinsam hinauspaddelt, weil einer von ihnen fehlt. Auf den ersten Blick könnten diese Geschichten kaum unterschiedlicher sein. Auf den zweiten erzählen beide ziemlich viel über die südafrikanische Weinwelt.

Über Freundschaft. Über Gemeinschaft. Über Leidenschaft.

Und über die Menschen hinter den Weinen. 

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum uns Südafrikas Weinwelt seit so vielen Jahren fasziniert. Hinter den Etiketten stehen Menschen, die nicht nur Wein machen, sondern leben, lachen, feiern, streiten, verlieren, gewinnen und füreinander da sind. Das Vintners Surf Classic zeigt diese Seite der südafrikanischen Weinwelt besonders deutlich. 

Südafrikanischer Wein mit Geschichte und Persönlichkeit Das Vintners Surf Classic soll auch nach diesem tragischen Jahr das bleiben, was es seit 2000 ist: ein Treffen von Menschen, die Wein und Surfen lieben und ihre Leidenschaft miteinander teilen.

 2026 wird dabei sicher als ein besonderes Jahr in Erinnerung bleiben. Nicht nur wegen der Wellen. Nicht wegen des Wettbewerbs. Nicht wegen des Big Red. Sondern wegen eines Menschen, der viele Jahre Teil dieser Gemeinschaft war. Und vielleicht ist das am Ende die schönste Verbindung zwischen einem guten Wein und einem solchen Ereignis: Beides erzählt Geschichten. Geschichten über Herkunft, Menschen, Landschaft und gemeinsame Erlebnisse. 

Wer ein Stück dieser Weinwelt kennen lernen will, muß nicht selbst nach Südafrika reisen. Man kann auch mit einem Glas südafrikanischen Wein beginnen.

Vielleicht ist jetzt der Moment, das Glas zu heben auf die Menschen, die Wellen, Freundschaft und Thys.