Shiraz gegen Syrah: Die Besonderheiten des südafrikanischen Weins
Magazin | Journal Prämierter Wein, Südafrikanischer Weinmacher, Südafrika
Shiraz in den Weinregionen Südafrikas
Wenn man den Fortschritt von Shiraz in Südafrika betrachtet, muss man den allgemeinen Rückgang der Rebfläche berücksichtigen. Im Zeitraum 2015 bis 2020 sank sie von 98 500 ha auf 92 000 ha. Dennoch macht Shiraz etwa 10 bis 10,5 % der Gesamtfläche aus. Eine bemerkenswerte Veränderung ist die Erschließung neuer Weinregionen. Sein Kernland bleibt zwar Stellenbosch, gefolgt von Swartland, so findet sich diese Rhône-Sorte nun auch in Fouriesberg, Eastern Free State, Sutherland im Northern Cape und auf dem Ceres-Plateau, alles hoch gelegene Gebiete mit kühlem Klima.
Am Fuß Afrikas, in Elim und Malgas, gibt es ebenfalls kühle Klimazonen geeignet für Shiraz. Während Shiraz bestimmte Anforderungen an die Vinifikation hat, reagiert er auch individuell abhängig von den Anbauregionen, sei es in Stellenbosch oder in den neuen Gebieten.
Kevin Arnold und die Familie Ord von Waterford produzieren seit fast 40 Jahren Shiraz auf mehreren Weingütern in Stellenbosch. Ihr Schwerpunkt bei Rust en Vrede lag auf der Fruchtqualität und dem Geschmack; sie haben geerntet, bevor die Beeren zu schrumpfen begannen, was zu niedrigeren Alkoholen und mehr Eleganz führte. Dies steht im Gegensatz zu vielen anderen, die bis zur vollen Reife der Beeren warteten. Neue Eiche spielte damals eine größere Rolle. Heute liegt der Fokus mehr auf standortspezifischen Weinen, Klarheit, Textur und Länge; die Zeit des hohen Alkohols ist vorbei.
In den Weinbergen gibt es mittlerweile mehr Klone, gereinigte ältere Klone und mehr Aufmerksamkeit für alte Weinberge.
Was sind die spezifischen Eigenschaften eines Stellenbosch Shiraz?
Kevin nennt: „Weißer und schwarzer Pfeffer, Fynbos, Leder und Oliventapenade stammen von den älteren Helderberg-Weinbergen.” Elim, in der Nähe von Kap Agulhas, ist eine neue Region für Shiraz; Trizanne Barnard ist mit ihren Trizanne Signature Wines eine der erfolgreichsten Vertreterinnen. „Für den Weinbau ist ein spezielles kühles Klima erforderlich“, bemerkt sie, „es ist wichtig, das Blätterdach zu öffnen und teilweise Trauben auszugeizen, damit die verbleibenden Trauben genügend Sonnenlicht erhalten.”
In der Weinherstellung sieht Trizanne die wichtigste Änderung darin, dass sie jetzt nach dem Geschmack des Weins und der phenolischen Reife erntet. Dies ermöglicht eine sanftere Vinifikation und weniger Extraktion. Mit diesem Ansatz fängt sie die spezifische Salzigkeit Elims, weißen Pfeffer und seidige Tannine in einem eleganten, gewichtigen Wein ein.
Das Swartland ist ein ausgesprochen warmes und trockenes Gebiet. Chris und Andrea Mullineux bewirtschaften gesunde Böden auf natürliche Weise, was zu ausgewogenen Reben führt. Komplexität entsteht durch eine Mischung aus Sonne und Schatten, sodass eine völlige Öffnung der Rebkrone vermieden wird. Das Ziel, einen regionalen Ausdruck in den Weinen zu erreichen, wird durch einen ähnlichen natürlichen Ansatz im Weingut mit sehr wenig neuem Holz realisiert. Es überrascht nicht, dass Mullineux überzeugt ist, dass ein Swartland Shiraz sein warmes, sonniges Wesen, die schöne Textur, Frische und feste, jedoch unaggressive Tannine widerspiegeln sollte.
Aber ist es für diese Winzer Shiraz oder Syrah?
Andrè van Rensburg von Stellenzicht war 1994 der erste südafrikanische Winzer, der seinen Shiraz als Syrah beim Wine & Spirits Board anmeldete. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde von allen der Name Shiraz verwendet!
Kevin Arnold, der eine Bordeaux-Flasche nutzt, sieht es als Shiraz, „aber Syrah in einer Burgunderflasche“. „Syrah klingt einfach viel eleganter“, stellt Trizanne fest, und das Ziel der Mullineuxs nach Komplexität, Balance und Frische erfordert Syrah. Wie auch immer, diese Weine erregen sowohl lokal als auch international Aufmerksamkeit.
Tim Atkin Report 2021
Tim Atkin, britischer Master of Wine, lobte in seinem Südafrika Report 2021 den südafrikanischen Syrah. Er ist begeistert von der Entwicklung dieser Rebsorte in Südafrika und freut sich darauf, dass Syrah-Liebhaber bald voll auf ihre Kosten kommen werden.