MCC hautnah erleben: Entdecke das Handwerk des südafrikanischen Schaumweins
Magazin Besonderheit, Südafrika
Wenn du schon einmal einen erstklassigen MCC genossen hast, weißt du um die feine Perlage, die Frische und die ganz besondere Eleganz. Begriffe wie zweite Gärung, Degorgieren oder Dosage sind dir vielleicht schon begegnet – sei es in Weinbüchern oder durch Erklärungen von Winzern.
Aber wie schaut dieser Prozess eigentlich in der Realität aus?
Genau das wollten wir selbst erleben. Deshalb besuchten wir jemanden, der dort arbeitet, wo einer der aufregendsten technischen Schritte der MCC-Produktion stattfindet. Plötzlich fühlte sich alles ein bisschen wie früher an einer Kindershow – aber diesmal mit Schaumwein statt Werkzeugen.
Was ist MCC?
Méthode Cap Classique ist die südafrikanische Antwort auf Champagner, hergestellt nach der traditionellen Flaschengärmethode.
Der wesentliche Unterschied zu normalem Wein: Der MCC unterzieht sich einer zweiten Gärung direkt in der Flasche.
Die Methode hat ihren Ursprung in Frankreich; bereits 1729 entstand mit Ruinart eines der ersten bekannten Champagnerhäuser. Doch heute müssen sich südafrikanische MCCs nicht mehr hinter ihren französischen Vorbildern verstecken.
Warum Zucker und Hefe zugesetzt werden
Nachdem der Grundwein hergestellt wurde, wird ihm eine Mischung aus Zucker und Hefe beigefügt.
Die Hefe wandelt den Zucker in Alkohol um, und dabei entsteht Kohlensäure.
Da die Flasche bereits verschlossen ist, kann die Kohlensäure nicht entweichen und bleibt im Wein gebunden. So entsteht die feine, natürliche Perlage.
Warum die Trauben früher gelesen werden
Für einen hochwertigen MCC ist frische Säure von großer Bedeutung.
Deshalb erfolgen die Traubenlese deutlich früher als bei klassischen Stillweinen. Die lebendige Säure sorgt später dafür, dass der MCC frisch, elegant und aufregend wirkt – anstelle von schwer oder breit.
Die Kohlensäure entsteht auf natürliche Weise
Viele Leute denken bei Schaumwein zuerst an hinzugefügte Kohlensäure.
Beim MCC ist das jedoch anders: Die Kohlensäure entsteht vollständig natürlich während der zweiten Gärung in der Flasche.
Und genau danach folgt einer der faszinierendsten technischen Abschnitte der gesamten Herstellung.
Vom trüben Wein zur Klarheit
Nach mindestens einem Jahr Flaschenreife geht der Wein zurück in die Produktion.
Früher wurde dabei alles von Hand gemacht – auf sogenannten Rüttelpulten, wo die Flaschen über Wochen hinweg immer wieder leicht gedreht und gekippt werden mussten.
Heute übernimmt häufig spezielle Maschinen diesen Prozess.
Was passiert dabei?
- Die Flaschen werden langsam geschüttelt
- Immer wieder gedreht
- Schrittweise auf den Kopf gedreht
- In der Zwischenzeit ruhen gelassen, damit sich die Hefe sammeln kann
Das Ziel: Sämtliche Hefe wandert langsam in den Flaschenhals, während der Wein selbst klar wird.
Das, was von außen simpel aussieht, ist in tat Wahrheit millimetergenaue Präzisionsarbeit.
Degorgieren: Der spannendste Moment der MCC-Produktion
Jetzt wird es richtig aufregend.
Der Flaschenhals wird in ein etwa -20 °C kaltes Glykolbad getaucht, wodurch das Hefedepot zu einem kleinen Eispropf gefriert.
Und dann geschieht alles innerhalb weniger Sekunden:
- Die Kappe wird entfernt
- Der gefrorene Hefepfropfen schießt heraus
- Gleichzeitig wird nur minimal Wein verloren
- Anschließend wird die sogenannte Dosage hinzugefügt
- Zum Schluss wird die Flasche exakt auf die richtige Füllhöhe gebracht
Was ist die Dosage?
Die Dosage ist eine Mischung aus Wein, Zucker und etwas Schwefel.
Hier zeigt sich oft die persönliche Handschrift des Winzers.
Jeder Hersteller hat seine eigene Rezeptur – manchmal streng geheim, manchmal über Jahrzehnte perfektioniert. Sie trägt entscheidend dazu bei, ob ein MCC später trocken, weich oder komplex schmeckt.
Warum Präzision so wichtig ist
In diesem Schritt muss alles genau stimmen.
Bereits minimale Abweichungen bei der Füllhöhe können später Probleme verursachen – im schlimmsten Fall hält der Druck den Korken nicht korrekt in der Flasche.
Der letzte Schliff
Zum Schluss bekommt der MCC seinen finalen Auftritt:
- Der Korken wird eingesetzt
- Der Drahtkorb wird befestigt
- Die Flasche wird nochmals bewegt und überprüft
Und dann ist er fertig.
Am Ende standen wir direkt dort, wo die Flaschen aus der Anlage kamen, und freuten uns wie kleine Kinder, die gerade ihre ersten beiden Flaschen entgegengenommen haben.
Dieser Moment hatte überraschend viel Magie.
Handarbeit oder moderne Technik?
Natürlich wollten wir auch wissen: Ist die MCC-Produktion heute komplett automatisiert?
Nadines Antwort war klar: In den meisten Fällen ja.
Aber es gibt sie immer noch – die Hersteller, die ihre Flaschen von Hand rütteln lassen oder diesen Schritt bewusst traditionell ausführen.
Und genau das macht MCC auch so spannend: Zwischen modernster Technik und echter Handarbeit bleibt immer Raum für Persönlichkeit und handwerkliches Können.
Unser Fazit: MCC ist Technik, Präzision und Emotion zugleich
Man findet viel über die Herstellung von Schaumwein zu lesen. Aber den Prozess einmal live zu erleben, verändert die Perspektive völlig.
Plötzlich wird klar, wie viel Präzision, Erfahrung und Detailgenauigkeit tatsächlich hinter jeder Flasche steckt.
Vom Hefedepot im Flaschenhals bis zur perfekt ausbalancierten Dosage: Jeder Schritt trägt zur Qualität, zum Stil und zum Charakter des späteren MCC bei.
Und genau deshalb schmeckt ein wirklich guter MCC nicht nur nach Schaumwein – er schmeckt nach Handwerk.
Ein großes Dankeschön
Ein besonderer Dank geht an Nadine und ihr gesamtes Team, die nach einem langen Arbeitstag die Produktion extra für uns neugestartet haben, um jeden einzelnen Schritt der MCC-Produktion zu demonstrieren.
Solche Einblicke bekommt man nicht alle Tage – und gerade deshalb werden wir diesen Besuch so schnell nicht vergessen.